In unserem Jahresausblick, aber auch unterjährig in unserem börsentäglichen Newsletter – dem „HSBC Daily Trading“ – haben wir das Risiko eines Zinsanstiegs intensiv diskutiert. Die aufgezeigten Gefahren scheinen sich jetzt aus charttechnischer Sicht zu manifestieren. Grund genug für uns, die Situation an den internationalen Zinsmärkten aus den verschiedenen Blickwinkeln nochmals ausführlich zu beleuchten.
„Die Jahre lehren viel, was die Tage niemals wissen!“ Dieses Zitat beschreibt die aktuelle Ausgangslage der 10-jährigen Rendite USA absolut zutreffend, denn manchmal geht im hektischen Tagesgeschäft verloren, was hohe Zeitebenen eindrucksvoll aufzeigen. In diesem Fall ist es sogar die höchste aller Zeitebenen geworden. Während wir in den letzten Wochen immer wieder vor einem Renditeanstieg gewarnt hatten, fördert der Jahreschart ein weiteres spannendes Detail zu Tage. Zunächst hat die 10-jährige Rendite USA mit in der Spitze 5,31 % das 2023er-Hoch bei 5,02 % zuletzt nachhaltig übertroffen. Damit erreicht das Zinsbarometer den höchsten Stand seit dem Jahr 2007. Charttechnisch noch wichtiger ist aber möglicherweise die Tatsache, dass sich damit die Innenstäbe der letzten beiden Jahre in Auflösung befinden (siehe Chart). Zur Erinnerung: Sowohl im Jahr 2025 als auch in 2024 verblieb die jährliche Handelsspanne innerhalb der 2023 gesetzten Leitplanken. Deshalb würde eine Auflösung dieser Konstellation den Aufwärtstrend der Renditen nochmals untermauern. Die Hochs der beiden Vorjahre bei 4,81 %/4,74 % definieren aus Sicht des Jahrescharts indes wichtige Haltemarken auf der Unterseite.
Quelle: LSEG, tradesignal, HSBC; Stand: 02.10.2026. Diese Angaben sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.** 5-Jahreschart am Artikelende.
Quelle: LSEG, tradesignal, HSBC; Stand: 02.10.2026. Diese Angaben sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.** 5-Jahreschart am Artikelende.
Um gar keinen großen Spannungsbogen aufzubauen: Analytisch verknüpfen wir gerne unterschiedliche Zeitebenen – auch den Kursverlauf der 10-jährigen Rendite USA auf Monatsbasis müssen Anlegerinnen und Anleger derzeit unbedingt auf dem Radarschirm haben. Seit Ende 2023 bewegte sich das Zinsbarometer in verhältnismäßig engen Grenzen zwischen 3,60 % auf der Unterseite und 4,80 % auf der Oberseite seitwärts. Inzwischen wurde die obere Signalmarke herausgenommen, womit gleichzeitig der Ausbruch aus der fast drei Jahre alten Schiebezone gelang. Dadurch entsteht nochmals ein bemerkenswertes Signal in Sachen „Fortsetzung des Renditeanstiegs“. Aus der Höhe der Schiebezone ergibt sich ein kalkulatorisches Kursziel von rund 6 %. Fast noch wichtiger ist aber, dass dieses Anschlusspotenzial mehr als ausreicht, um den ultimativen Deckel bei gut 5 % nachhaltig zu lüften (siehe Chart). Seit 1993 hat die 10-jährige Rendite USA in diesem Dunstkreis immer wieder wichtige Hoch- und Tiefpunkte ausgebildet – verstärkt durch ein Fibonacci-Level (5,08 %). Aktuell dürften also zwei unterschiedliche Chartmuster ineinandergreifen.
Das ist die perfekte Überleitung zum Wochenchart der 10-jährigen Rendite USA. Die Verknüpfung der unterschiedlichen Zeitebenen liefert oftmals wertvolle, zusätzliche Erkenntnisse. Auch hier die klare Botschaft: Der Renditeanstieg ist nachhaltig und dürfte sich fortsetzen. Charttechnisch bildet die Kursentwicklung seit Anfang 2025 eine klassische Untertassenformation (siehe Chart), aus deren Höhe sich ein rechnerisches Kursziel von 5,80 % ableiten lässt. Noch weiter gefasst, kann die Entwicklung seit Ende 2023 zudem als Schiebezone zwischen 3,60 % und 4,80 % interpretiert werden. Entsprechend lässt sich das Kursziel aus der Tradingrange sogar auf rund 6 % veranschlagen. Letztlich sprechen auch diese beiden Kursmuster für die Auflösung der eingangs beschriebenen „inside years“ im Jahreschart. Der Druck hinsichtlich weiter steigender Renditen dürfte also hoch bleiben. Auf dem Weg zum Ausschöpfen der diskutierten Anschlusspotenziale definieren die Hochpunkte von 2007 und 2002 bei 5,33 % bzw. 5,48 % wichtige Etappenziele.
Quelle: LSEG, tradesignal, HSBC; Stand: 02.10.2026. Diese Angaben sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.** 5-Jahreschart am Artikelende.
Quelle: LSEG, tradesignal, HSBC; Stand: 02.10.2026. Diese Angaben sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.** 5-Jahreschart am Artikelende.
Interessanterweise erfolgt der Renditeanstieg auf breiter Basis – und zwar in unterschiedlichen Anlageregionen und über unterschiedliche Laufzeitbänder. Als Beispiel für letzteres beleuchten wir die 30-jährige Rendite USA. Selbst im langfristigen Laufzeitenbereich entstand aus charttechnischer Sicht zuletzt ein bemerkenswertes Signal. Mit 5,69 % setzte sich der Zinsanstieg nicht nur fort, sondern erreichte mittlerweile den höchsten Stand seit dem Jahr 2002. Das 24-Jahres-Hoch hinterlässt zudem deutliche charttechnische Spuren. So hat das Zinsbarometer die Hochs aus den Jahren 2023, 2025 und dem Frühjahr 2026 inzwischen nachhaltig hinter sich gelassen und damit den ultimativen Deckel bei gut 5 % gelüftet. Das bereits mehrfach diskutierte aufsteigende Dreieck (siehe Chart) entfaltet also seine Wirkung. Aus diesem trendbestätigenden Muster ergibt sich – rein rechnerisch – ein langfristiges Kursziel von gut 6,5 %. Der Aufwärtsdruck bei den langfristigen Renditen dürfte also anhalten. Die alten Hochpunkte bei 5,18 %/5,16 %/5,00 % bieten sich indes als nachgezogener Stopp auf der Unterseite an.
Der bisher diskutierte Zinsanstieg ging auch an der 10-jährigen Rendite Deutschland nicht spurlos vorbei. Mit 3,65 % musste das Zinsbarometer den höchsten Stand seit 2009 hinnehmen. Noch spannender ist allerdings die Tatsache, dass es aufgrund dieser Entwicklung drei Mal in Folge zum höchsten Monatsschlusskurs der letzten anderthalb Dekaden kam. Nachdem sich das Zinsbarometer in den letzten Monaten immer wieder mit der 3 %-Marke auseinandergesetzt hatte, ist damit auch die zuvor etablierte Schiebezone zwischen 2 % auf der Unterseite und 3 % auf der Oberseite nach oben aufgelöst. Der vielfach diskutierte „ultimative Deckel“ ist also endgültig nach oben aufgelöst (siehe Chart). Übergeordnet besteht damit die Gefahr, dass nach dem dynamischen Zinsanstieg von 2021 bis 2023 und der darauffolgenden Konsolidierung der zugrundeliegende Basisaufwärtstrend nun wieder Fahrt aufnimmt. Aus der Höhe der o. g. Schiebezone ergibt sich ein langfristiges Kursziel von „4 % plus“. Auf dem Weg in diese Region markieren die Hochs von 2011 und 2009 bei 3,51 % bzw. 3,75 % nennenswerte Etappenziele. Auf der Unterseite fungieren dagegen die alten Ausbruchsmarken bei 3,02/2,94 % als wichtiger Rückzugsbereich.
Quelle: LSEG, tradesignal, HSBC; Stand: 02.10.2026. Diese Angaben sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.** 5-Jahreschart am Artikelende.
Ihr Jörg Scherer
Leiter Technische Analyse HSBC Deutschland
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5-Jahreschart: 10-jährige Rendite Deutschland

Quelle: LSEG, tradesignal; Stand: 02.10.2026 Diese Angaben sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.
5-Jahreschart: 10-jährige Rendite USA

Quelle: LSEG, tradesignal; Stand: 02.10.2026 Diese Angaben sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.
5-Jahreschart: 30-jährige Rendite USA

Quelle: LSEG, tradesignal; Stand: 02.10.2026 Diese Angaben sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.
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